Jenseits der Grenzen des gutes Geschmacks

Mittlerweile kann man als denksportlicher Homosapien kaum noch deutsches Fernsehen einschalten, ohne von immer wiederkehrenden Wellen der Verblödungsstrahlung malträtiert zu werden. Das Reality-Trash-TV war nur ein Herold dessen, was sich aktuell auf dem heimischen Pixelpool zu Hause abspielt.

Frei nach dem Motto: „Wir passen uns jetzt internationalen Standards an“ (oder mit anderen Worten: „Wir plagiieren amerikanische bzw. japanische TV-Formate.“, mutieren die verantwortlichen Fernsehmacher zu Soziopathen, indem sie Shows wie „Solitary“ oder „Dschungelcamp“ produzieren. Wobei wir hier noch von den vergleichsweise soften Formaten reden, denn schon in den UK laufen Shows wie „The White Room“, wo der Protagonist zum menschlichen Tamagotchi wird. Von Japan möchte ich gar nicht erst anfangen.

Aber die leise, schleichende Abstumpfung des menschlichen Geistes findet nicht nur in der eigenen Flimmerbox statt, sondern zog auch mit Pauken und Trompeten in die Welt der Leinwandkunst ein. Filme wie Saw scheinen die Mainstream-Masse zu erfreuen und um dies alles zu toppen, setzte Eli Roth mit „Hostel“ dem Ganzen die Krone auf.  Personen, die zum Spaß andere Menschen brutal foltern und auf grausamste Weise umbringen, werden hier ins Kinoformat gebracht und durch aktuelle Filmtechnik nahezu 1:1 realitätsgetreu dargestellt.

Ganz im Sinne dieses doch recht fragwürdigen Zeitgeistes wird neben Mord und Quälerei  jetzt auch Vergewaltigung als bewegtes Bildermaterial für die Massen aufbereitet. Während 1988 ein Aufschrei durch die Medien ging, weil Jodie Foster in dem Film „Angeklagt“ auf einem Flipper vergewaltigt wurde, lässt Monica Bellucci in dem Streifen „Irreversible“, in der sie über zehn Minuten lang brutal vergewaltigt und bis zur Bewusstlosigkeit misshandelt wird, Jodie Fosters Auftritt aus den Achzigern wie einen Kindergeburtstag aussehen.

An dieser Stelle passt wohl ein Zitat eines älteren Herren in einer TV-Diskussionsrunde: „Nach dem Krieg war es unvorstellbar, dass einmal ein Mord im Rahmen von Unterhaltung im Fernsehen zu sehen ist. Was kommt als nächstes? Vergewaltigung?“ Die Antwort auf diese Frage hab ich mit dem vorhergehenden Absatz schon gegeben und gerade dieser Umstand ist schon traurig genug und keinesfalls akzeptabel.

Kurzum: Mord, Vergewaltigung, Leiden, sowie Ängste und Phobien von Mitmenschen werden immer mehr popularisiert und somit unsere Psyche negativ kompromittiert und pervertiert.

Auch der Spruch: „Jedem das Seine!“ kommt hier nicht mehr zum Tragen, denn wenn sich so etwas zur allgemeinen Unterhaltung entwickelt, klingeln die Glocken der Moralapostel.

Und ich läute kräftig mit!

aF

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6 Antworten to “Jenseits der Grenzen des gutes Geschmacks”

  1. Yvonne (Zammel78) Says:

    Wow…sehr gut geschrieben. Ich schaue mir zwar auch gerne SAW an…aber was heute im Tv gezeigt wird, geht ab und an unter keine Kuhhaut. Nur mal ein Beispiel (die anderen dürfen allerdings nicht vergessen werden):

    Zitat: Kurzum: Mord, Vergewaltigung, Leiden, sowie Ängste und Phobien von Mitmenschen werden immer mehr popularisiert und somit unsere Psyche negativ kompromittiert und pervertiert.

    Ich schreibe auch über meine Ängste in meinem Blog. Mache das somit öffentlich. Aber das ist real. Ich schreibe, wie es wirklich ist…also bei mir. Wenn ich aber sehe, dass jemand in einer Reportage auf einmal am Ende wieder alles kann, bekomm ich Plaque. Dem Zuschauer wird somit vorgegaukelt, dass man psychische Probleme im ruck zuck Eilverfahren behoben bekommt. Das ist aber nicht wahr und wenn man irgendwo hin kommt und man sagt, dass man psychische Probleme hat, wird man entweder direkt abgestempelt oder man bekommt gesagt: Reiß Dich mal zusammen. Bei XY hab ich gesehen, dass… Blah blah… Und warum? Wegen den Medien…

    Da könnte ich jedesmal ganz arg mit dem Kopf schütteln. Doch ich als Hypochonder mach das lieber nicht. Bekomme sonst Angst vor einem Schädel-Hirn Trauma *ironie 🙂

  2. Ich glaube nicht, dass die Menschen schlimmer oder verdorbener sind als vor 10 oder 100 Jahren. Die Massenmedien machen es jetzt nur leichter, den Kram zu verteilen. Früher gab es nur Erzählungen, Bilder, Bücher davon – die Perversion ist so alt wie die Menschen selbst.

    Abgesehen davon ist es mir selbst recht egal, was im TV läuft. Er ist bei mir die meiste Zeit aus.

  3. Im Großen und Ganzen teile ich deinen Standpunkt. Niemand mit einem halbwegs normalen Intellekt tut sich freiwillig die x-te Fake-Reality-Doku oder Gerichtsshow an. Der Hauptgrund für meinen persönlichen Fernsehboykott. Die Verdummung/Verrohung schreitet voran (Idiocracy lässt grüßen :D).

    Nur in Punkto Film muss ich widersprechen. Zum Beispiel bei „Irreversible“. Der Regisseur Gaspar Noé polarisiert mit seinen Filmen, regt zur Diskussion an. Natürlich tut er dies hart an der Grenze des Erträglichen. Da hast du meine Zustimmung, für psychisch labile Personen ist diese Art des Dogma-Kinos nicht geeignet. Aber einen Film auf die Summe seiner Gewalt zu reduzieren ist für mich konservativen Schrankendenken. „Irreversible“ ist nicht „Hostel“…

    • Hi Lars! Danke fürs Feedback. Idiocracy rockt immer noch!! Bester Film des Jahres: Arsch 😛

      Nun, für mich geht es den Verfall moralischer Werte. Ich tolieriere Filme wie Hostel nicht, weil sie krank und zu brutal sind. Und Irreversible ist zwar nicht die Gleiche Sparte, aber das gleiche Grundproblem, hier werden ungeniert Grenzen überschritten. Wenns nach mir ginge würden alle Filme mit diesem Level von Gewalt-Entertainment verboten werden.

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