Wie ist man(n) ein guter Vater?

von André Fedorow

Die Frage

daddyNach Fragen wie zum Beispiel „Was war zuerst da: die Henne oder das Ei?“, mit deren Antwort sich schon Größen wie Plutarch oder Aristoteles beschäftigten, leitet mich eine ebenso Gewichtige. Die Frage „Wie werde ich ein guter Vater?“ lässt sich nämlich nicht damit beantworten indem man Alles der Mutter aufhalst und sich damit brüstet mal den Kinderwagen geschoben oder eine Stinkbombe unter dem Strampler gewechselt zu haben. Dabei ist man weder ein Softie oder entfernt sich von seinem so wohlbehüteten Testosteron. Ein guter Vater zu sein gehört so ziemlich zu den männlichsten Dingen im Leben eines Mannes.

Wo fange ich an?

Was muss also ein Papa haben, um zu den berühmten TOP 2 seines Kindes zu gehören? Ein guter Anfang wäre sein Kind schon zu lieben während es noch bei Mama im Bauch campt. Aber auch später ist Liebe eine unbedingte Grundvoraussetzung seitens des Vaters. Ich bin immer wieder darüber erschrocken, wie wenig manche Männer für ihre Kinder übrig haben. Jeder Tag ohne meinen Sohn ist ein verlorener Tag. Wenn ich für mich spreche, empfinde ich meine Liebe zu meinem Sohn als bedingungslos. Was Einem eigentlich als Emotion und Beschützerinstinkt natürlich mitgegeben sein sollte. Ich denke, Liebe zu dem Kind qualifiziert einen Mann lediglich um potentiell ein guter Vater zu sein. Aber es ist nur ein Anfang.

„Du bist doch ein guter Vater!“

Das sagt man oft zu Männern. Leider entgleitet diese ehrende Aussage der Gesellschaft nur zu schnell ohne zu wissen, was wirklich hinter verschlossener Türe passiert. Meine Mutter sagt immer „Unter jedem Dach wohnt ein ´Ach!´“. Als Mann wird man schnell diesbezüglich positiv beurteilt. Wenn man zum Beispiel mal eine halbe Stunde auf den kleinen tasmanischen Teufel aufpasst, damit sich Mama schnell baden darf. Und nimmt man die kleine Prinzessin mal außerhalb der Norm zwischendurch auf den Arm ist man gleich „Super-Daddy“. Das Schlimmste dabei ist, die Männer glauben das auch irgendwann. Ich war zeitweise nicht anders. Aber, liebe Freunde, macht Euch schon mal von diesem Gedankengut frei.

Zeitreise in die Vergangenheit

Warum ist das so? Im Grunde empfinde ich es nachhaltig als Beleidigung, dass wir Männer nur all zu schnell positiv beurteilt werden, während Alles, aber wirklich ALLES, der Mutter abverlangt werden soll. Traut man uns es nicht zu nahezu alle Tätigkeiten einer Mutter mit oder ganz zu übernehmen? (Mal abgesehen vom Stillen, wenn es ein Stillkind ist). Vieles von diesen Schnellbeurteilungen hat meines Erachtens den Ursprung in der Vergangenheit.
Sicherlich, die 50/60er Jahre geprägte „Generation Mann“ hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Die Grund- und Schuldfrage lasse ich mal bewusst außen vor. Fakt ist, diese althergebrachten „Vaterfiguren“ von damals haben nicht nur ausgedient, sondern waren auch von Grund auf pädagogisch nicht zu gebrauchen. Folgendes Fallbeispiel trifft sicherlich nicht auf jeden Vater der „alten“ Generation zu, aber mir zugetragene Rückblicke auf die 50/60er Jahre lassen immer wieder ein bestimmtes Vaterbild erkennen: Der Vater kommt von der Arbeit nach Hause und kriegt sein Essen serviert, während  die Frau den ganzen Tag den Haushalt gemacht, die Kinder versorgt und erzogen hat. Für die Kinder herrschte die Regel den Vater erst mal gar nicht anzusprechen. „Der Mann braucht Ruhe!“ Er ist der Ernährer, hat das Sagen und ist die Autoritätsperson Nummer 1. Irgendwann lässt er sich dazu herab sich mit seinen Kindern zu beschäftigen. Was soviel hieß wie „Warst Du artig?“, „Hast Du Deine Hausaufgaben gemacht?“, „Ich hab Dir doch gesagt …“ etc.! Er war auch derjenige, der vorrangig die Kinder in Form von Schlägen „züchtigte“ wenn es aus Sicht der Eltern einen Grund gab. Ja, das ist garantiert das, was ein kleines Kind bzw. Teenager braucht, eine männliche Gallionsfigur, zu der man mit ängstlichem Respekt aufblickt. Kein Wunder, dass viele von diesen Typen in der heutigen Zeit nicht mehr zurechtkommen. Die wissen so viel von  „Attachment Parenting“ wie ein Streichholz von einer Supernova.

Zwischenstand – Zucker auf der Ersatzbank

Was haben wir bisher gelernt? Ja richtig! Liebe ist Grundvoraussetzung und wir lassen uns nicht auf die mit Zucker übersäte Ersatzbank schieben, indem wir uns mit Sätzen „Du bist doch ein toller Daddy“ einlullen lassen. Das verdienen wir uns erst mal, Männer!

Die perfekte Zwei für die Eine

Ein Kind braucht ausgeglichene Verhältnisse. Es bringt der Entwicklung des kleines Menschens gar nichts, eine gestresste Mutter zu haben. Fast täglich erlebe ich schreiende Mütter (Spielplatz, Strasse etc.), die mit ihren Kindern überlastet sind. Viel Geheule seitens der Kleinen, die im Grunde missverstanden werden. Daraus resultiert ein Fehlverhalten, welches ein Elternteil nicht mit Bedacht auffangen kann. Aus diesem Betrachtungswinkel, Einer unter vielen, ist es sehr wichtig, dass Mama und Papa ein TEAM sind.
Wir als Väter sollten Lernbereitschaft zeigen, alle Pflichten der Fürsorge zu 100% zu übernehmen. Das fängt beim Windel wechseln an, geht über Waschen, aktiven Spielen, Aufpassen bis hin zum Geben der Flasche und ins Bett bringen. Bei Stillkindern müsste natürlich optimalerweise abgepumpte Muttermilch in der Flasche sein. Ich denke wir als Väter müssen fast übergangslos das Ruder übernehmen können. Es vertieft nicht nur die Bindung zum eigenen Kind, sondern sorgt auch für Ausgleich bei der Mutter. Idealerweise entwickelt sich zwischen den beiden Elternteilen eine positive Routine. Was beide letztendlich zu einem Team formt.
Natürlich wäre es am Besten, wenn beide Elternteile noch zusammen wohnen und verstehen würden. Das ist leider oft nicht der Fall. Aber auch hier gilt – verhaltet euch immer so, wie es das Beste für das Kind ist. Wenn Einer von Beiden natürlich durch versteckte Boshaftigkeit oder Desinteresse glänzt, wird das mit dem Team natürlich schwierig. Schlecht für das Kind, und für den aus der Reihe tanzenden Elternteil hab ich nur ein Wort über: „Arschloch!“ – egal ob männlich oder weiblich.

Tagesgeschäft

Als ich mich voll in das Tagesgeschäft der Mama mit eingeklinkt habe, konnte ich meinem Kind meine Liebe viel besser zeigen. Je mehr Zeit ich mit meinem Kind verbrachte, desto mehr lernte ich auch über das Wesen des kleinen Erdenbürgers. Verhaltensweisen, Mimiken und Blicke zu deuten stellte sich ebenso ein wie potentielle Gefahren im Haushalt zu erkennen (geht ab dem großen Krabbeln los). Ebenso wichtig ist der Umstand, dass Kuscheln nicht nur Sache der Mama ist. Du darfst und sollst auch zeigen, dass Papa genauso viel Gefühl hat wie Mama.

Zwischenstand – Telepathie?

Fast! Ein guter Papa nimmt nicht nur der Mama soviel es geht ab, sondern liest auch empathisch in seinem eigenen Kind. Spätestens wenn Ihr erkennt, dass das schelmische Grinsen auf dem Gesicht eurer kleinen Lieblinge bedeutet „Was mache ich als Nächstes?“ seid Ihr schon ein Stück weiter.

Das Baby geht – das Kleinkind kommt

Nur zu schnell ist die Zeit des Babyseins vorbei. Krabbeln, dann Laufen. Und spätestens dann heißt es seinen Hintern hoch zu kriegen, denn jetzt kommt ein weiterer wichtiger Baustein für den „guten Papa“. Das Kind nimmt jetzt viel aktiver an seiner Umwelt teil. Laufen, Sprechen und maßgebliche soziale Interaktionen mit uns Eltern, aber auch mit Spielkameraden im gleichen oder ähnlichen Alter. Kinder lieben es zu spielen, egal wie und mit was. Mein Sohn liebt es raus zu gehen. Laufen und die Welt erkunden. Als Vater sollte man sich jetzt schon ab und zu was einfallen lassen, um sein Kind aus dem Kinderzimmer zu holen. Zeige Deinem Kind das, was es sonst nicht oder selten sieht. Was nicht heißt, dass normales Spielen drinnen und draußen außer Acht gelassen werden sollte. Wie schon vorhergehend gesagt, hat man eine Bindung zu seinem Kind aufgebaut, erkennt man auch dessen Interessen. Und hier gilt es darauf einzugehen.

Oh, Kind!

Wir Alle kennen das. Man hat schlechte Laune, man ist genervt. Und zu allem Übel kann man es seinem Nachwuchs mit gar nichts recht machen. Jetzt muss ich wieder an die schreienden Mütter denken, ich die bereits erwähnte. Hier gibt es aber auch brüllende Väter. Und um es kurz zu machen: Rumschreien bringt gar nichts. Ruhe bewahren und ergründen warum das Kind bockig ist. Das kann einfach Unzufriedenheit sein oder im schlimmsten Falle eine Erkrankung. Alles ist möglich. Deswegen durchatmen und schauen. Von Schlagen halte ich gar nichts und darüber diskutiere ich auch nicht. Ich verweise nur auf meinen Abschnitt „Zeitreise“ weiter oben.

Die Papa-Show

Gerade beruflich stark eingebundene Väter werden das kennen. Man kommt von der Arbeit nach Hause und schon hängt Einem das Kind am Rockzipfel ………. sagte ich Rock? Da ich in Deutsch schreibe und wir keine Schotten sind, belasse ich diesen Part als Redewendung so stehen. Oftmals sind die nächsten zwei Stunden der „Papa-Show“ gewidmet. Und wenn man müde ist und eigentlich kaum Muße hat auf Alles einzugehen, was einem der kleine Mensch so erzählt und zeigt, darf man eins nie vergessen – und das ist die wichtigste Erkenntnis von Allem: Dein Kind macht das nur so intensiv weil es Dich vermisst hat. Und warum vermisst es Dich? Weil es Dich liebt. Weil es Dir auch oft Dein eigenes Fehlverhalten verzeiht.
Und wenn Du meinst mal wieder „genervt“ von Deinem Kind sein zu müssen, weil es ständig an Dir zieht und übermäßig viel mit Dir kommuniziert, dann halt Dir vor Augen – es passiert aus Liebe. Sei dankbar für die Papa-Show und versaue es nicht! Sei immer da für Dein Kind, egal wie alt es ist. -aF

554778_10200982065972508_1202129603_n

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: