Ready since the 80’s

Die Geschichte meiner Commodore Computer

Quelle: https://www.teepublic.com/t-shirt/569833-commodore-64

Ich werde oft gefragt, was mich an den alten Heimcomputern so fasziniert. Warum ich da so viel Herzblut reinstecke. Ich versuche das mal in diesem Blogbeitrag aufzuzeigen. Vieles davon ist emotional und daher subjektiv von der Betrachtungsweise her. Wie immer, beanspruche ich keine Absolutheit in meinen Ausführungen, sondern gebe lediglich meine persönlichen Erlebnisse wieder. Viel Spaß beim Lesen.

 

Prolog – Früher war alles besser?

früher

Früher war alles besser! Früher hatten wir keine Handys! Früüüher haben wir noch draußen im Matsch gespielt. Und früüüher …. jaaaa -> drauf geschissen. ;-P

Früher war nicht alles besser, sondern vieles anders. Manches besser, manches schlechter. Aber für viele von uns sicherlich unbeschwerter, denn die Monster unterm Bett sind in den Briefkasten umgezogen.

Seit den 80ern bin ich ein Vollblut-Onliner. Deswegen auch in der heutigen Zeit u.A. auf Twitter, Instagram und Facebook aktiv. Ich amüsiere mich dort immer wieder über die Bilder einiger Leute aus meinem Jahrgang die anscheinend ihr Ego ein wenig aufpolieren müssen, in dem sie Bildchen posten die Kinder zeigen wie sie spielen: im Matsch, an der Tischtennisplatte, mit einem Roller/Fahrrad usw.

Was soll das? – frage ich mich dann immer. Tut bitte nicht so als hätten „wir“ früher keine elektronische Unterhaltung gehabt. TV & Videospiele gab es damals schon. Inklusive den  gleichen, unsinnigen und niemals enden wollenden Diskussionen über Kinder und Computerspiele. Ja genau, seit Videospiele quasi kommerziell und somit der breiten Masse zugänglich waren. Quasi seit Ende der 70er.

„Wir“ haben früher sehr wohl stundenlang vor der Flimmerkiste gehockt und gezockt. Tja, aber wir sind auch rausgegangen. Haben uns auf Spielplätzen getroffen, Radtouren gemacht, und sind sprichwörtlich um die Häuser gezogen. Alles was Kinder und Teenager so machen.  Analog zum Homecomputing von damals hat sich heute nicht viel verändert. Kids/Teens spielen mit nur mit kleineren, mobileren Geräten. Und wenn sie vermehrt zu Hause sind, und das tun was wir früher mit unseren Heimcomputern machten, dann liegt es vielleicht daran, dass wir früher viel mehr Möglichkeiten hatten. Heute haben wir: Weniger Spielplätze, weniger Jugendzentren/Treffs und die Gemeinden stellen deutlich weniger Budgets zur Verfügung für Kinder und Jugendförderung.

Also, diese Bildchen „Ja früher hatten wir keine …“ sind für mich irreführend. Vor allen Dingen ist das Gesamtbild einfach nicht komplett Dargestellt. Früher war nicht alles besser, nur anders.

 

Kapitel 1 – Eine neue Welt

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Die Atari 2600er Konsole

Die 80er sind nicht nur berühmt für die beste Musik aller Zeiten, sondern auch für kleine Revolutionen in Sachen Fortschritt. Insbesondere was Computer und Videospiele anging. Eines Tages, ich war nicht mal 10 Jahre alt (?), sah ich bei einem Freund zu Hause eine Videospielkonsole. Die Eltern hatten gerade eine Atari VCS 2600 Konsole (Holzdesign, 4 Schalter) gekauft und dazu gab es ein brandneues Spiel. Ich sah und spielte dann mein erstes Videospiel. Ich musste mich von Liane über eine Grupe zur nächsten Liane schwingen.

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Pitfall Atari 2600

Na, was war das wohl? Nicht Tarzan, es war Pitfall! Und ich habe es geliebt. Ich habe mich gleich ein ganzes Wochenende bei meinem Kumpel einquartieren lassen. Hinzu kamen noch ein paar andere Games. Unter anderem Pac Man.

Meine Eltern hatten nie die Notwendigkeit einer Videospielkonsole gesehen, und von daher blieb mein Wunsch nach einer eigenen unerfüllt. Meine Meinung über Konsolen sollte sich jedoch später ändern. Es verging über ein Jahr, es muss um 1984 gewesen sein, da war ich zu Besuch bei meiner Cousine und Ihrem Freund. Er hieß Bernd. Mir ist es wichtig, an der Stelle seinen Namen zu erwähnen, da er später bei einem Autounfall ums Leben kam. Auf jeden Fall war es die frisch bezogene Wohnung von Bernd und meiner Cousine, wo ein Commodore 64 ein Zuhause fand. Bernd zeigte mir, wie man mit (s)einer 1541 umging. Also die Befehle um ein Spiel zu laden. Mehr interessierte mich damals nicht. Mein Lieblingsspiel an diesem Tag war Pole Position. Ich blieb das ganze Wochenende.  Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich morgens um 6:30 Uhr aufgewacht bin und die Aufregung im Bauch hatte, weil ein Zimmer weiter der Commodore 64 auf mich wartete. Das Zaubergerät, womit man so schön spielen konnte. Ich war noch ein Kind, für mich war das Ding das Größte. Ich wusste nur eins, ich wollte auch so einen. Bernd und ich zockten das ganze Wochenende, und ich führte die Highscore an, bei Pole Position – nicht zuletzt, weil ich brennend nach einem Crash über die Zielgerade schlitterte.

 

Kapitel 2 – City Computer

Auch für den Kauf einen C64 konnte ich meine Eltern nicht begeistern. Was ziemlich bitter für mich war. Ich war ein Kind mit einer leidenschaftlich entfachten Begeisterung für Computer – ohne eigenen Computer.

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Commodore VIC20

Zwischenzeitlich hatte in einer benachbarten Straße ein winziger Commodore-Laden eröffnet. Die verkauften da ausschließlich Commodore Computer & Zubehör. Aufgestellt war ein Commodore VIC20 mit Datasette. Ich war jetzt schon 11 und mutig genug, die Frau dort mit einer sinnlosen Dauerpräsenz zu nerven. Für mich war es extrem spannend dort aufzutauchen und auf dem VIC20 „LOAD“ einzugeben und RETURN zu drücken. „Press Play On Tape“ hieß damals für mich „Mission Accomplished“. Ich glaube die Dame hat nie verstanden, warum ich mich jedes Mal so gefreut habe, „Load“ einzugeben. Der Laden konnte sich nicht halten.

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Commodore VIC20 Basic

Ziemlich blöde Idee, so einen kleinen Shop inmitten einer Wohngebiet-Mini-Einkaufsmeile zu platzieren. Und gegen Allkauf, real kauf, Otto & Quelle und Konsorten konnte man sich zu der Zeit auch nicht preislich behaupten, als kleiner Laden im Nirgendwo.

Irgendwann fiel mir auf, dass es Richtung Innenstadt einen weiteren Shop gab – „City Computer“. Der Dreh- und Angelpunkt meiner künftigen Teenager-Computerphase. Dort arbeiteten die legendären Brüder Wolfgang und Herbert wobei ersterer der Besitzer war, wenn ich mich recht erinnere. Wolfang war auch derjenige, der mir erklärte was ein „Uuhhsa“ (User) ist. Erstmal hieß es ausgesprochen „Juser“ und zweitens ist ein es anderes Wort für den Benutzer eines Computers zum Beispiel. Ohne selbst einen Commodore Computer zu besitzen, lernte ich dort meine erste Basic Routine -> „10 Print „Ich heiße Andre“ – „20 Goto 10“ – „Run“.

City Computer wurde quasi mein zweites zu Hause. Ich fragte Wolfgang und Herbert Löcher in den Bauch und himmelte die Reihen von Mastertronic Spielekassetten an. Am lieben wäre ich dort eingezogen. So cool wie damals die Leute von City Computer war keiner. Meinen ersten eigenen Commodore Computer hätte ich gern von dort bezogen, aber alles kam doch ein wenig anders.

 

Kapitel 3 – Mein erster Commodore

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Mein Commodore 116

Das ständige Abhängen bei City Computer ging auch an meinen Eltern nicht spurlos vorbei. Wollten sie mir doch was Gutes tun, als sie mir Weihnachten 1985 meinen ersten Commodore Computer schenkten. Direkt aus dem Versandhaus Quelle überraschte mich ein Commodore 116 mit Datasette inkl. Basic Kurs unter dem Weihnachtsbaum. So groß die Freunde über einen eigenen Commodore Computer war, es war kein Commodore 64. Trotzdem war ich aufgeregt. Es war immerhin ein richtiger Commodore Computer. Und ich dachte mir, mit dem MUSS man auch Spielen können!

Die Weihnachtsfeiertage verbrachte ich mit dem allseits beliebten Basic Kurs von Kassette. Und einer Zeitschrift namens „Compute Mit“, wo ich mein erstes Listing abtippte. Es war ein gutes Gefühl einen eigenen Computer zu haben und damit zu experimentieren.
Kaum waren die Feiertage vorbei kaufte ich mir bei City Computer einen Joystick und mein erstes Spiel auf Kassette. Ich weiß nicht mehr welches Spiel von Mastertronic das war, aber es war eins, was einen Bug wegen Joysticksteuerung hatte, oder gar nicht mit Joystick spielbar war.

Und da fing mein erster Frust an, denn niemand sagte mir, dass ich einen Joystick-Adapter brauchte für mein System. Da saß ich nun, ein Spiel was ich mit Joystick spielen wollte, aber der Joystickanschuss passte nicht. Meine Mutter kaufte mir einen Adapter bei „Computer Fricke“, einem anderen Händler im Ort. Die stellten diese Dinger selbst her. Was war das für ein Kampf bis sich herausstellte, dass der Adapter völlig in Ordnung war, nur das Game nicht. Bis dahin hatten wir Adapter 3x reklamiert. Die müssen uns für völlige DAU’s gehalten haben.

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Moon Buggy C16

Nichts desto trotz, hatte ich dann im Laufe der Zeit einige Original Games im Regal stehen, zumeist Mastertronic, weil City Computer vorwiegend C16 Spiele von diesem Brand im Bestand hatte. Und 10 DM pro Kassette im Schnitt passte in mein Taschengeld Budget. Ich hatte die Mastertronic Klassiker wie Spectipede, Vegas Jackpot, Kikstart, Formula One usw. Und etwas später dann auch andere Kassetten, nicht im Original.  Moon Buggy mochte ich sehr.

Ich kann mich noch dran erinnern, wie ein Kumpel und ich vor ACE (16K) gesessen und auf eine Sprachausgabe gewartet haben. Sprachausgabe war an diesen Tagen was ganz Besonderes. Insbesondere für die 264er Low-Cost Reihe, die massiv von ALDI (C16) in Deutschland gestreut wurde. Aber Sprachausgabe kam irgendwie keine.
Und Trailblazer wollte ich auch spielen. ACE (64k) sowie Trailblazer (64k) kaufte ich, nachdem City Computer meinen C116 auf 64k umgerüstet hatte. Da klappte es auch mit der Sprachausgabe.  Zwischenzeitlich verkaufte mein Kumpel, seinen C16 um einen C64 zu erwerben.

 

Kapitel 4 – Frust

Da die Welt damals noch nicht so vernetzt war, wie heute, blieb ich bei den paar Original Kassetten und einigen „Sicherheitskopien“ anderer Leute hängen. Wollte Formula One nicht so viel Spaß machen, wie Pole Position auf dem C64. Es gab zwar ein paar denkwürdige Moon Buggy Sessions, aber es erfüllte mich nicht. Generell interessierten mich die 64er-Games bei weitem mehr.

Es kam wie es kommen musste, ich entschloss mich, mein C116-Setup zu verkaufen, was ich bereuen sollte. Aber letztendlich war ich gerade mal 12 Jahre alt und hatte kein Geld um mir noch einen zusätzlichen Computer zu kaufen. Also sparte ich etwas an und verkaufte den C116 samt Zubehör. Mir war schon etwas mulmig zumute und ich war traurig als der Käufer meinen kleinen Gummitasten-Rechner mitnahm. Irgendwie hatte ich dieses limitierte Ding doch lieb gewonnen. Dies sollte mir auch knapp 30 Jahre später den Impuls für meine Rückkehr zu den Commodore Computern geben.

 

Kapitel 5 – Commodore 64

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Mein C64

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Hexenküche 2

1986 schleppte ich also endlich meinen Commodore 64 inkl. Datasette aus City Computer heraus. Das erste Spiel was ich auf meinen eigenen C64 geladen habe, war Hexenküche II. Das Leben als Kürbis war schon schwer, während die Hexe lachte.

Was für ein Unterschied. Was für ein überlegener Computer der C64 damals war. Aber ein C64 ohne Floppy war damals schon ziemlich mau. Deswegen musste bald eine 1541 her. Ich sparte nicht nur dafür, sondern knöpfte meinem Kumpel ganze 5 DM ab, um ihn mein „Wissen“ über Basic beizubringen. Quasi die Routine 10 Print .. 20 Goto 10 … letztendlich hatte ich irgendwann meine 1541 zusammengeschnorrt.

Die nächsten Jahre waren der Hit. Copy-Partys – man traf sich übers Wochenende und zockte die neuen Games. Die 10er-Päckchen Disketten wurden in rauen Mengen gekauft. Jeder von uns hatte eine Diskettensammlung jenseits der 500 Stück.

Unser Wissen machte sich nicht nur in der Schule gut, was Noten in der Computer AG anging, denn diese war erfreulicherweise mit Commodore Computern ausgestattet. Wir machten uns es auch zum Spaß, in den Warenhäusern heimlich unsere eigenen kleinen Basic-Programme aufzuspielen und zu starten. Den Monitor auf volle Lautstärke stellen und nach einer Zeitschleife soundtechnische Agonien starten lassen. Oder einfach mal ein paar nackte Frauen Laden lassen (zumindest was man damals als Frau erkennen konnte auf den Maschinen). In jedem Fall war es ein Angestellter bzw. eine Angestellte, die voller Panik letztendlich den Stecker gezogen hat. Das fanden wir damals sehr witzig.

Wir schrieben selbst auch etwas ernstere Programme. Zumeist in Basic. Heraus kamen Adressverwaltungen, Adventurekreatoren und ich selbst brachte es auf ein Action-Adventure und ein paar völlig sinnfreie Demos. Das ist das, was ich an den Commodore Computern mochte. Man schalte sie ein und die forderten einen auf was zu tun. Wenn nicht zocken, dann selbst was auf die Beine stellen. Kreativ sein, seinen Kopf anstrengen. Mit dem Charme der Markt erobernden Konsolen konnte ich mich nie identifizieren. Für mich waren das immer verstümmelte Computer. Unterhaltungstorsos die man mit Modulen vergewaltigen konnte.

Eine halbe Dekade später war ich völlig raus aus der Commodore 64 Welt. Ich war der 8-bit Spiele einfach überdrüssig. Einige meiner 64er-Kollegen waren schon beim PC angekommen – 286er und 386er. Seelenlose Monochrom und Grünstich Monster, die so langweilig waren, dass man selbst den Strom überreden musste, aus der Steckdose in diesen Elektronikschrott zu fließen.

 

Kapitel 6 – Eine neue Freundin – Amiga!

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Während die PCs zu der Zeit noch die Vollhonks der Computerwelt waren, sorgte ein neuer Computer, ebenfalls von Commodore, für Aufsehen. Der Amiga war der neue Supercomputer der alles in den Schatten stellte, was es damals gab. Zumindest im Heimcomputer-Bereich.

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Shufflepuck Cafe

Als ich bei einem Kumpel Shufflepuck Cafe auf seinem Amiga sah, war mir klar, dass es in Sachen Commodore für mich an der Stelle weitergehen würde. Zwar bot der Amiga bis dato auch nur 2D Spiele, aber alles war schon 16 Bit und das hat mich einfach umgehauen. Ich war gerade in der Ausbildung, also besorgte ich mir einen Amiga 500.

Auf Dauer war der 500er zu limitiert für mich, von daher beschloss ich, mir einen Amiga 1200 zuzulegen. AGA und eine Festplatte boten einfach mehr Möglichkeiten den Computer besser einzusetzen, außerhalb des Spielens. Insbesondere für meine DFÜ Aktionen wie Newsgroups, Mailboxen und BTX war dieser Computer, mit einem ZyXEL 19200, bestens geeignet. Die Telefonrechnungen damals waren schon brachial im Vergleich zu heute.

Zwischenzeitlich hatte ich meine Ausbildung abgeschlossen und wohnte in meiner ersten eigenen Wohnung. Der Zufall wollte es, dass ich von meinem Kumpel, der mir damals Shufflepuck Café zeigte und mich mit seinem Amiga anfixte, eben diesen mir für günstig überlies. So wurde ich Besitzer eines Amiga 2000 mit Modem, einer ISDN Karte und Festplatten.

Jetzt hatte ich zwei Amigas und beschloss den 2000er als Mailbox einzusetzen, da ich sowieso 2 ISDN Leitungen frei hatte. So wurde die lokal berüchtigte Mailbox „Datastorm“ geboren. Eine von 3, mit Fastcall, betriebenen Mailboxen in Süd-Niedersachsen. Die anderen Mailboxen waren die „Soundbox“ und das „Spritual Switchboard“. Den Tag an dem ich die Mailbox online schaltete, hatte ich eine Karte für ein Phil Collins (Both Sides Tour). Ich blieb aber lieber zu Hause und schaute mir die User an, die sich einwählten. Im Übrigen mochte dieses Album von Collins sowieso nie. Nachdem das ´Switchboard irgendwann von der Polizei wegen Warez hochgenommen wurde, verlor ich nach fast 2 Jahren die Lust eine Mailbox zu betreiben.

 

Kapitel 7 – Das Ende einer Ära

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DOOM

Anfang 1994, machte ich bei dem Freund, der mir seinen Amiga 2000 vermachte seinerzeit, Bekanntschaft mit einem neuen Computerspiel, welches alles ändern sollte. DOOM auf einem PC 486er. Der PC hatte nicht geschlafen die letzten 2 Jahre und so auch Microsoft mit Windows 3.11 nicht. Ich wusste nur eins, DOOM will ich auch spielen und haben. Koste es was es wolle. Meine Amigas hielten in Ihrer Ausstattung dem 486er nicht Stand. DOOM rockte alles weg, ein 3D Spiel wie ich es immer wollte (ganz zu schweigen von Duke Nukem 3D später).

Windows 3.11 war zwar nicht Multitasking fähig und auch nicht so hip wie die Amiga Workbench, aber ich brauche keine teuren Turbo- und Grafikkarten um einen Computer schnell und effizient zu betreiben. Commodore hatte einige schwere Fehlentscheidungen getroffen in Sachen Hardware Strategie und machten sich zudem selbst kaputt.

Amiga 3D Games wie Alien Breed, Gloom oder Breathless konnte man zu der Zeit nur mit High End Amigas spielen, für die man locker 2 PCs bekommen konnte die das Gleiche und besser konnten.  Ich verkaufte die (L)A(h)migas und bezahlte davon meinen voll ausgestatteten PC. Meine erste Commodore Ära ging 1994 zu Ende. 10 Jahre, nachdem ich mich für einen Commodore 64 begeisterte.

 

Kapitel 8 – PC und andere Sünden

Versteht mich nicht falsch, ich habe meine Commodore Zeit nie vergessen. Aber die folgenden Jahre waren einfach zu fortschrittlich um in Nostalgie zu schwelgen. Der PC als Heimcomputer wurde fester Bestandteil in meinem Leben. Beruflich in der IT, privat in Sachen Games wie Duke Nukem 3D, DOOM, Rise oft he Triad, Half Life, Counter Strike, Quake, Unreal etc.

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Half Life Death Match Szene

Hinzu kam, dass online sein durch DSL immer populärer wurde. Ebenso die Multiplayer-Games. Von 1998 – 2004 war ich aktiver Half Life Death Match Spieler und gründete ´99 einen eigenen Clan, der auf E-Sports Niveau spielte. LAN Partys waren auch sehr angesagt und häufig.

Für Apple konnte ich mich nie begeistern, außer wenn ich im Tonstudio arbeitete. Da war es, neben Pro Tools, Standard einen Mac und Logic Audio zu haben.

Aber nach so vielen Jahren PC war ich nur noch gelangweilt. Nach Half Life 2 bin ich aus dem Zocken ausgestiegen. Je realistischer die Spiele wurden, desto mehr lehnte ich sie ab. Realität habe ich genug um mich herum. Bei Half Life hatte ich das „Blut“ immer in der Config-Datei ausgeschaltet, stattdessen flogen dann immer Schrauben und andere Sachen beim Frag des Gegners durch die Gegend. Da hat sich ein Frag auch nicht wie töten angefühlt. Heutzutage ist das schon ziemlich krass. Es stößt mich sogar ab. Ab und zu spiele ich noch Half Life über Steam. Bei gelegentlichen LAN Partys noch Serious Sam I & II.

 

Kapitel 9 – Emulation ohne Reaktion

xc.pngEs war mittlerweile 2013, also jetzt  30 Jahre (!) nachdem ich den C64 für mich entdeckte, bekam ich von einem Freund einen Competition Pro USB mit einer Emulator CD zum Geburtstag geschenkt. Ich installierte alles auf meinem Laptop und freute mich zuerst. Dann nicht mehr. Dieses Feeling von früher wollte nicht mehr einsetzen. Ich dachte, es liegt daran, dass ich mich mit der Zeit so verändert habe. Aber später sollte ich eines Besseren belehrt werden.

 

Kapitel 10 – Recall

Irgendwie scheint es ein allgemeines Phänomen zu sein, oder ist es biologisch vorprogrammiert, dass „wir“ die alten Computer wiederentdecken auf denen wir mal angefangen haben? Gott und die Welt rennen los um Geld für 30 Jahre alte Technik auszugeben. Noch besser, mittlerweile habe ich genug Menschen kennengelernt, die ihre alten Kisten nie verkauft und sogar eifrig gesammelt haben, als man i.A. Commodore Computer für 10 DM bzw. 10 Euro und weniger bekommen hat.

In einer lauen Sommernacht im Juli 2015 dachte ich über Computergeschichte nach. Die Sterne leuchten am Himmel und ich sah das Commodore Sternenbild leuchtend im Dunkeln. Ja ok, Spaß beiseite! Ich dachte über Betriebssysteme nach und dass man früher nur einschalten musste ohne Sachen wie Betriebssysteme und Updates installieren zu müssen. Mir fiel mein erster Commodore Computer ein. Mein kleiner C116. So trist wie ich ihn damals fand, so sehr wollte ich wieder einen haben. Also machte ich mir den Spaß einen auf eBay zu erwerben. Spontan und viel zu teuer. Dieser kam so mies verpackt an, dass das Netzteil innen auseinandergefallen ist und ich beim Einschalten lediglich das rote Lämpchen kurz aufglimmen sah.

Mit dem Wissen was ich heute, 2017 besitze, war das lediglich der Reststrom im Gerät. Das Netzteil konnte gar nicht mehr funktionierten. Wie sich später herausstellte, war auch der TED defekt und ich zahlte noch eine Menge „Lehrgeld“ bis das Ding endlich funktionierte. Repariert und dann wieder defekt.

Aus Frust meldete ich mich im Forum 64 (www.forum64.de) an. Dort fand ich schnell Hilfe. Sogar ein User, der mir kostenlos, meinen C116 so modifizierte, dass er sehr lange halten wird. Gerrit sei Dank. 😉

Ich dachte mir, stellst Dir noch einen C16 hin, für alle Fälle. Gesagt, getan. Das wars? Oh nein! Aber auch nur für den Notfall, könnte man sich ja einen C64 noch „auf Lager legen“. Natürlich möchte man ja nicht ohne Möglichkeiten dastehen, wenn mal eins der Geräte mal kaputt geht. Also war es für mich nur logisch, die Modelle auf Vorrat zu kaufen.

C64, C16 und C116 sind toll, aber da gab es ja noch andere tolle Modelle. Plus/4, VIC20, Amiga 500, Amiga 600, Amiga 1200 und Amiga 2000. Und weil es so schön war, Atari ST und Atari 2600. Letzteres Ausnahmsweise eine Konsole, um der alten Zeiten willen (inkl. Pitfall und Pac Man natürlich).

Daraus ergab sich auch eine Art Zweck-Hobby. „Zweck“ weil ich es als Notwendigkeit bzw. ein MUSS ansehe, dass solche alten Computer Wartung, Pflege und Reparatur brauchen. Ich musste vieles neu lernen. Unter anderem einfaches Löten. Leute, die nicht in der „Retro-Szene“ aktiv sind, meinen immer ich wäre voll der Pro, aber im Gegensatz zu den richtigen Experten und Lötkünstlern bin ich ein Noob. Ohne deren Hilfe würde ich wohl mehr kaputt machen als heile.

Ein zusätzlicher positiver Effekt war, dass ich eine Menge netter Leute kennengelernt und neue Freundschaften geschlossen habe. Die Hilfsbereitschaft untereinander ist gefühlt höher als bei anderen Interessengemeinschaften.

Hinzu kommen die Retro-Veranstaltungen. Mein persönliches Highlight jedes Jahr ist die  3-Tages Party der DoReCo. Einmal im Jahr nehme ich mir ein Wochenende frei vom Papa sein und habe dort Spaß mit den anderen Verrückten. Was die Orga der DoReCo jedes Jahr auf die Beine stellt, ist eine megastarke Leistung in jeder Hinsicht. An der Stelle auch nochmal meinen Dank dafür. Mittlerweile liebäugle ich mit der LuheCon, als zweites festes Retro-Event jährlich. Das sieht sehr vielversprechend aus dort.

Ich habe einige Commodore Systeme zu Hause fertig aufgebaut. Und sie tun das, was ich von ihnen erwarte. Sie geben mir ein gutes Gefühl, welches ich lange verloren geglaubt habe.

 

Epilog – Zu guter Letzt

Wer auch Lust bekommt an alte Zeiten anzuknüpfen und sich einen „Retro-Computer“ zulegen möchte, sollte sich die hier zusammengefassten Links mal anschauen.

 

Informationen, Hilfe und Austausch:

Forum 64 – Das deutsche Forum welches man kennen sollte

www.forum64.de

C64 Wiki – Das Wiki rund um die Welt von Commodore

www.c64-wiki.de

plus4 world – Die Seite für (s)einen C16, C116 und plus/4

www.plus4world.com

 

Treffen

DoReCo – Die Dortmunder Retro Computer Treffen / Party

www.doreco.de

LuheCon

https://www.forum64.de/index.php?board/400-luhecon/

 

Unterhaltung aus der Retro-Szene

Der Retroluzzer – Spiele angespielt, lustig und unterhaltsam

https://www.youtube.com/user/Retrowurst1974

Radio Paralax – Webradio für Spielemusik, Chiptunes, Demoszene ..

www.radio-paralax.de

 

Gutes Zubehör

Individual Computers

https://icomp.de/shop-icomp/de/news.html

 

Grüße an die Szene und außerhalb

Dusk (Tarkus Team), Lynx (Triad), cRAZy/radwar, tRSi, mad^bkn (Bauknecht), Ronne, Anthony W.,  Fulgore, Der Retroluzzer, CapFuture1975, war64burnout, Paralax, Plus4_fan, cbm-warrior, Segenhard, RetroRonny, GI-Joe, SamW, Daimansion, androSID, ZeHa, Arcadestation, HOL2001, Telespielator, Shodan, Gerrit, DoReCo-Orga-Team und last but not least – Bernd Wolff.

 

Quellangaben

Bilder/Pictures Quellen/Sources

 

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